Little Magic Mountain

humble commentary and hermetical paedagogy

Testeintrag — Der Zauberberg (1924) June 13, 2007

Filed under: Germany, literature — Viktor @ 6:22 pm

Aus Kindlers Neues Literaturlexikon (die Rezension in voller Länge hier) :

[Thomas Manns Roman "Der Zauberberg"] entstand von 1913 bis 1924 und erschien 1924. Im Jahre 1912 verbrachte Thomas Manns Frau mehrere Monate in einem Davoser Lungensanatorium; die Eindrücke, die der Autor bei seinen Besuchen empfing, bewogen ihn zu einer »Art humoristischem Gegenstück« zu seiner Erzählung “Der Tod in Venedig” (1912). Anstelle des etablierten Künstlers Gustav von Aschenbach sollte nun ein unbekannter Bürgersohn (Hans Castorp) stehen, als Pendant zum Verführer Tadzio erscheint die »Asiatin« Clawdia Chauchat, Symbol für den Niedergang ist statt der Cholera nunmehr die Tuberkulose. [...]

Der auf zwei Bände angwachsene Roman weiterte sich zum Zeitroman aus, zur Kritik an spätbürgerlichen Lebens- und Denkformen der Vorkriegszeit, deren Repräsentanten auf dem »Zauberberg« versammelt sind; zugleich aber treibt Thomas Mann seine leitmotivische Erzähltechnik, sein ironisches Spiel mit Bildungszitaten und Weltanschauungen in diesem Buch so weit voran, daß die Forschung das Werk als Bildungsroman, als »intellektuellen« oder »metaphyischen« Roman zu verstehen suchte. Der früh verwaiste Hamburger Patriziersohn Hans Castorp besucht nach bestandenem Ingenieur-Examen vor dem geplanten Eintritt in eine Schiffsbauwerft seinen lungenkranken Vetter Joachim Ziemßen in einem Sanatorium in Davos. Zunächst befremdet über die »hier oben« herrschende Lebensart, ordnet er sich zögernd in den Kurbetrieb ein, der, selbst auf Profit ausgerichtet, die Patienten aus ihren gewohnten bürgerlichen Verhaltensweisen reißt, sie in einen Zustand der Zeitlosigkeit und Pflichtvergessenheit versetzt: »Man ändert hier seine Begriffe«, prophezeit Joachim Ziemßen seinem Besucher. Anspielungen auf den Hades der Antike, auf den Hexenberg in Goethe “Faust” oder den Venusberg in Wagners “Tannhäuser” begleiten die Beschreibung des »Zauberbergs«, eine mystische, traumverlorene Welt, in jeder Hinsicht das Gegenbild zum »Flachland« und der dort herschenden Ordnung und Disziplin. [...]

Das [...] Treiben [...] findet durch den »Donnerschlag« des Krieges ein unvermitteltes Ende; der Roman verliert seinen Helden als anonymen Soldaten im Angriff »aus den Augen«, mit Schuberts “Am Brunnen vor dem Tore” auf den Lippen: »Lebewohl Hans Castorp … Deine Geschichte ist aus. Zu Ende haben wir sie erzählt; sie war weder kurzweilig noch Heilige es war eine hermetische Geschichte. Wir haben sie erzählt um ihretwillen, nicht deinethalben, denn du warst simpel.«

Thomas Manns “Banquet Speech” anlässlich seines Nobelpreises (1929)

Das Thomas Mann-Autorenportal des S. Fischer-Verlags

 

One Response to “Testeintrag — Der Zauberberg (1924)”

  1. bettinathenomad Says:

    He! Jetzt spann uns nich so auf die Folter und schreib was!


Leave a Reply